Der Geist im Dudelsack

Sage aus dem Egergau


In einem Dorfe des Egerlandes lebte ein Bauer, der einen seltsamen Dudelsack hatte. Wenn auch ein Dutzend andere neben ihm geblasen wurden, so übertönte und überschnurrte er sie alle. Davon hieß es, der Bauer habe einen Pakt mit dem Teufel geschlossen, drum sei er auch vom Taglöhner zum Hofbesitzer emporgekommen.

Der Bauer hielt sein Zeug gehörig im Stande, dazu half ihm der böse Geist, der im Dudelsack hauste. Dem musste er Nahrung geben wie einem Menschen. Vergaß es der Bauer, so fing er an der Wand zu pfeifen an, und war er zu jener Stunde auf dem Feld, so flog er ihm nach und plagte ihn. Da wäre der Bauer oft froh gewesen, wenn er den Dudelsack mitsamt dem bösen Geist los geworden wäre. Aber er hatte ihn schon aus zweiter Hand, und ein drittes Mal lässt sich der Teufel nicht verkaufen.

Da suchte der Bauer bei einem Geistlichen Hilfe in seiner Not. Dieser nahm den Bauern mit dem Dudelsack auf den Damm eines großen Weihers, stellte sich selbst mit dem Gesicht gegen den Teich und ließ den Bauern nach der entgegengesetzten Richtung schauen. Dann begann die Beschwörung. Das Wasser zischte und sprudelte im Teich, als ob es kochte, denn der Geist war aus dem Dudelsack in das Wasser gefahren und musste drin bleiben.

Der Dudelsack hatte von da an nicht mehr die alten, lauten Töne, sondern pfiff wie jeder andere Dudelsack, und der Hof des Bauern hieß seitdem der "Pfeifer".

Quelle: Heinrich Gradl, Sagenbuch des Egergaus, 1892