Der Sackpfeifer

verbreitete Wandersage über die Pestzeit


Eines will ich noch verzählen aus der Pestzeit, weil damals die ganze Stadt darüber gelacht hat - wer halt noch lachen konnte! Als da die Leute dahinstarben wie die Fliegen, rumpelte den ganzen Tag der Pestkarren durch die Straßen, und Stadtknechte luden darauf alle Toten, die sie in den Häusern fanden. Eines Morgens stießen sie vor dem Gillmayern-Haus auf einen Menschen, der stumm und steif dalag, den Kopf auf einem Dudelsack. Er gab kein Zeichen von sich, was sie auch mit ihm trieben. Darum warfen sie ihn auf den Karren zu den anderen Toten und fuhren damit auf die Wiesen vors Kapuzinertor und taten die Toten in die Grube - samt dem Dudelsack.

Nun war aber jener, der auf dem Dudelsack gelegen war, gar nicht tot. Ein lustiger Sackpfeifer war es und hatte sich aus Freude, daß er immer noch lebte, einen Stockrausch angetrunken. So lag er nun zwischen den Toten und schlief, bis ihm die Mittagssonne ins Gesicht schien. Als er merkte, wo er war, packte ihn das Grausen und er wollte fortspringen. Aber die Grube war zu tief und er schrie um Hilfe. Doch es kam niemand - wer wollte schon an der Pestgrube vorbeikommen!

Da nahm er den Dudelsack und begann zu pfeifen, so gut und laut er konnte. Nicht lange, stand ein Metzgerbursche mit einem Kuhstrick um den Leib am Rande der Grube und sah erschrocken und erstaunt hinab und zog ihn herauf.

Wie schnell lief diese Geschichte von Haus zu Haus! Und hat lachend mehr gesund gemacht als Kraut und Rauch.

Diese Sage gibt es in verschiedenen Versionen im süddeutschen Raum. Die bekannteste Version dürfte wohl die vom "lieben Augustin" aus Wien sein. Hier ist die Fassung aus "Das Turmkränzlein - Die Sagen der Stadt Landshut" wiedergegeben.