Der Sack

Der Luftsack ist das charakteristische Merkmal der Sackpfeife. Er dient als Vorratsbehälter für die Luft, die die Pfeifen zum Klingen bringen soll. Daraus erwächst die wichtigste Anforderung an den Sack: Er muß luftdicht sein.
Da es bei mundgeblasenen Sackpfeifen unvermeidlich ist, daß Atemfeuchtigkeit des Spielers im Sack kondensiert, muß das Sackmaterial außerdem in der Lage sein, diese Feuchtigkeit wieder nach außen abzugeben. Wird das Material dieser Aufgabe nicht gerecht, können mannigfache Probleme wie abgesoffene Rohrblätter oder Schimmel im Sack auftreten.

Verwendete Materialien

Gummi

Die einfachste Methode zur Herstellung eines luftdichten Sacks ist, ihn aus Gummi zu formen. Das wird z.B. oft für spanische Sackpfeifen gemacht. Gummisäcke sind allerdings auch absolut dicht gegenüber Wasser und Wasserdampf. Dieses Problem scheint aber im heißen spanischen Klima vernachlässigbar zu sein. Für blasebalgbetriebene Sackpfeifen können Gummisäcke ebenfalls problemlos verwendet werden, weil hier überhaupt kein Kondenswasser anfällt.

Schafleder

ist das traditionelle Material in Schottland. Aber nicht etwa, weil es besonders geeignet wäre, sondern weil es früher oft nichts anderes gab. Schafleder hat eine Reihe von Nachteilen, z.B. sind Schafe klein und die einzig geeigneten Hautteile am Rücken erlauben nur die Herstellung relativ kleiner Säcke. Schafleder ist zudem sehr luftdurchlässig und unbeständig gegen Feuchtigkeit. Der Einsatz von wachshaltigem Dichtungsmittel ('Seasoning') ist daher unabdingbar.

Rindsleder

oder Kalbslederist heute ein oft gebrauchtes Material. Wegen der Dicke des Leders eignet sich nur ein sogenanntes Spaltleder, bei dem die Narbenseite (Außenseite der Haut) für den Sack verwendet wird. Das beste Material wird auch hier aus dem Rücken geschnitten, es können aber auch die Seitenteile verwendet werden. Die moderne Chromgerbung erzeugt relativ dichte und gut feuchtigkeitsbeständige Sorten.

Elchleder

kommt aus Kanada und muß nicht unbedingt nur vom Elch stammen; auch große Hirsche und Damwild liefern 'Elchleder'. Alle diese Ledersorten werden chromgegerbt und sind von Natur aus extrem luftdicht und sehr feuchtigkeitsbeständig. Es sind weiche Ledersorten, die nicht hart werden. Das empfehlenswerteste Material für den Sack.

Ziegenleder

ist sehr dünn und nicht sehr dauerhaft. Durch geeignete Gerbung kann aber auch dieses Leder luftdicht gemacht werden. Es wird sehr viel in asiatischen Ländern verwendet, weil es dort sehr billig ist. Ziegenleder muß mit Fetten und Wachs imprägniert werden.

Canmore Bag (Markenname)

ist ein Sack aus Goretex, der vor allem für die Great Highland Bagpipe heute viel Verwendung findet. Das Material ist empfehlenswert für Bläser mit viel Atemfeuchtigkeit, weil es diese zuverlässig entweichen läßt. Bereits kondensiertes Wasser wird allerdings festgehalten, weswegen der Einsatz eines Tropfenfängers sehr zu empfehlen ist. Der Einsatz eines Dichtmittels ist nicht nur unnötig, sondern sogar schädlich. Die lange Lebensdauer des Materials wiegt den höheren Preis auf.

Dichtmittel

Wasserabweisende Dichtmittel

Die einfachste Methode zur Abdichtung eines Ledersackes ist, die Poren im Leder mit Wachs oder Fett zu verschließen. Leider ist der Sack dann auch gegen Feuchtigkeit dicht und eignet sich deswegen nicht für 'nasse' Bläser. Bei blasebalgbetriebenen Sackpfeifen ist diese Methode jedoch hervorragend geeignet.

Wasserdurchlässige Dichtmittel

Dichtmittel, die Feuchtigkeit aufnehmen und wieder abgeben können, werden aus Stärke oder Eiweiß, z.B. Zucker, Melasse, Honig, Knochenleim, Mehl oder ähnlichen organischen Stoffen hergestellt und enthalten meistens noch konservierende, also schimmeltötende Substanzen.
Bereits kondensiertes Wasser wird von diesen Dichtmitteln aufgesaugt, gespeichert und langsam an das Leder weitergegeben. Die Feuchtigkeit diffundiert durch das Leder und trocknet an der Außenseite ab. In mitteleuropäischen feuchten Klima sind solche Dichtmittel auch für 'nasse' Bläser empfehlenswert.

Rezepte

Es gibt eine Reihe von Rezepten, wie man selbst Dichtmittel herstellen kann. Hier soll jedoch keines wiedergegeben werden, weil es zu viele verschiedene Möglichkeiten und Konstellationen von Sackmaterialien und Verarbeitungsweisen gibt und es daher nicht ausgeschlossen werden kann, daß ein solcherart selbstgemachtes Dichtmittel keine oder sogar unerwünschte Wirkungen zeigt. Es gibt bei den Sackpfeifenmachern genügend Möglichkeit, für wenig Geld das jeweils geeignete Dichtmittel zu erwerben, so daß Selbermachen keinerlei Vorteile bietet.

Vorgehensweise

Dichtmittel sollte angewendet werden, wenn der Sack offensichtlich nicht mehr ausreichend luftdicht ist. Das kann geprüft werden, indem man alle Pfeifen bis auf das Anblasrohr abzieht und die Stöcke mit Korken verschließt. Der aufgeblasene Sack sollte über mehrere Minuten die Luft halten. Zischgeräusche weisen auf undichte Einbindungen oder Löchern im Leder hin, die vor dem Abdichten beseitigt werden müssen. Ggf. ist ein neuer Sack nötig.
Das Dichtmittel ist den Angaben des Herstellers entsprechend ggf. im Wasserbad zu erwärmen. Alle Pfeifen werden entfernt und die Stöcke außer dem Spielpfeifenstock mit Korken verschlossen. Eine der Größe des Sackes angemessene Menge (20-100 ml) wird durch den Spielpfeifenstock in den Sack eingegossen, und der Stock daraufhin ebenfalls verschlossen. Der Sack wird nun einige Minuten lang gründlich durchgeknetet, so daß das Dichtmittel überall verteilt wird. Danach wird der Sack prall aufgeblasen und kräftig zusammengedrückt, damit der Luftdruck das Dichtmittel in alle Poren preßt. Durchkneten und Aufblasen mehrmals wiederholen, bis der Sack dicht ist.
Überschüssiges Dichtmittel läßt man auslaufen, es kann ggf. wiederverwendet werden. Die Innenbohrungen der Stöcke müssen anschließend gründlich gereinigt werden, damit das Dichtmittel Rohrblätter und Ventil nicht verklebt.

Die Informationen dieser Seite stammen zum größten Teil von Reinhold Ege, MacEge's Rundbrief No.7