Namen

Deutschland

Die Sackpfeife ist in Deutschland heute vor allem unter dem Namen Dudelsack bekannt. Geschichtlich läßt sich dieser Name nicht vor dem 17. Jahrhundert belegen. Er scheint dann zunächst vor allem den Polnischen Bock (poln.: Dudy) zu bezeichnen, der Name Sackpfeife im Gegensatz dazu das einheimische Instrument. Neben diesen Bezeichnungen gibt es noch eine ganze Reihe regionaler und mundartlicher Namen: Hümmelken, Schaperpfeiff, Luelleckenpipe, Pipensack, Buck, Bock, Dudey, Bockspfeife etc.

Europa

Im Ausland finden wir natürlich noch eine Reihe anderer Namen:

Frankreich Cornemuse, Musette, Chabrette, Cabrette, Boudege, Boha
Bretagne Biniou, Veuze
Belgien Moezelzak
England Bagpipe(s)
Schweden Säckpipan
Finnland Säkkipilli
Estland Turopill
Polen Dudy, Koziol bialy
Böhmen, Mähren Duda, Koza ("Bock", auch bei den Sorben)
Slowakei Gajda
Ungarn Duda
Kroatien Dude
Türkei Tulum, Ghaida
Griechenland Tsampouna, Tsambouna
Mazedonien, Bulgarien Gajda
Rumänien Cimpoi
Tunesien Zukra
Marokko Zummarah
Spanien Gaita, Sac de Gemecs
Italien Piva, Baghet, Cornamusa, Zampogna, Surdellina

Diese Liste macht auch deutlich, dass Sackpfeifen praktisch in ganz Europa und den angrenzenden Regionen zuhause sind.

Etymologisches

Befasst man sich mit der Wissenschaft vom Ursprung der Wörter (Etymologie) und der Völkerkunde (Ethnologie), so fällt auf, dass die alten Namen der Dudelsäcke von Persien bis Spanien, von Nordafrika bis ins Land der Sorben auf die indogermanisch-keltischen Wörter "ghaido-s" (Ziege), "cornu" (Horn) und "bhugo-s" (Ziegenbock, Schafbock, Widder) zurückgehen. Schon allein die vielen "Geißen" lassen aufhorchen: Gaita galega (keltische Geiß), Gajda (bulgarisch, poln., ruth. Dudelsack), Gajde, Gadle (serbokroat.), Gajdy (slow.), keidy (tschech.), Ghaida (galatisch, ehem. Kelten in der heutigen Türkei), Kosciol (sorb. Dudelsack = Ziegenbock).

Eine ähnliche Vielfalt finden wir bei Namen, die auf "cornu" zurückgehen: Corn phiopa (irisch), Cornamusa (ital.), Cornemuse (frz.) Cornbib, Cornbibel, Pibcorn (schott., engl.). Von den Böcken kennt man noch einen böhmischen und einen polnischen. Auf einem frühmittelalterlichen Bild sind zwei Barden mit Bockdudelsäcken abgebildet. Die arabische Sackpfeife Zuqqara trägt an ihren Pfeifen zwei Hörner. Bläst man den dalmatinischen Dudelsack auf, so sieht er wie ein großer Bockskopf aus.

Die Kelten sahen im Widder und im Stier die Verkörperung von Gottheiten. Dieser Kult reicht zurück bis in die Nacheiszeit (siehe Höhle Trois Frères, Department Ariège, bockshörniger Zauberer, die Flöte blasend). Ist der Dudelsack das Relikt eines archaischen Kultinstruments? Auch Hummeln und Bienen genossen als Bringer des göttlichen Honigs religiöse Verehrung. Ist es Zufall, dass die Dudelsackpfeifen seit altersher Insektennamen tragen? Die Baßpfeife des Egerländer Dudelsacks heißt Hummel, frz. bourdon, engl. drone, galic. roncon (vgl. engl. to hum=summen, brummen, hummen, murmeln, rauschen, allg. die Wiedergabe eines Naturklangs).